Kuala Terengganu – Roadtrip durch Malaysia (Teil 4)

Kuala Terengganu – Roadtrip durch Malaysia (Teil 4)

Überfahrt an die Ostküste


Was war das denn gerade? Mein Herz ist für einen Moment stehengeblieben und schlägt nun bis zum Hals. Raik hat gerade geistesgegenwärtig das Lenkgrad rumgerissen, um einem Schlagloch von 1×1 m und 30cm Tiefe auszuweichen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir darein gefahren wären. Ein Achsbruch wäre das kleinste Übel, mitten in der Pampa.

Aber jetzt einmal von vorne. Wir sind heute Morgen in den Cameron Highlands losgefahren und durchqueren im Moment das Hinterland Malaysias, um an die Ostküste zu gelangen. Wie der Name Rundreise schon sagt wollen wir vermeiden, die gleiche Strecke zweimal fahren zu müssen. So haben wir uns entschieden durch das Landesinnere zu fahren. Dafür werden wir mit jedem Meter und jeder Biegung mit neuen Ausblicken belohnt. Trotzdem ist die Strecke sehr mühsam. Bevor wir die Autobahn erreicht haben, tuckerten wir eine ganze Zeit lang über die kleinen Landstraße. Spannend, aber bei etwa 5 Stunden Autofahrt kräftezehrend. Wir haben die letzte Tankstelle mitgenommen und uns auf schnelles, zweispuriges Fahren gefreut. Auch hier überholen wir ständig riesige LKW, die Baumstämme abtransportieren und sich den Berg hochquälen, dabei werden wir von tiefschwarzen Rußwolken eingenebelt. Weit und breit ist keine Zivilisation. Da wundert es nicht, dass entlang der Straße alte, verrottete oder ausgebrannte Autos stehen. Wer hier eine Panne hat, muss mindestens 2-3 Stunden auf Hilfe warten. Ausgediente Bagger werden einfach stehengelassen. Als Fahrer solltet ihr allerdings nicht allzu lange den Blick von der Straße lassen, denn die Schlaglöcher und Bodenwellen kommen ohne Vorwarnung. So rettete Raik uns eben vor Schlimmeren.

Hunger und wir können uns nicht entscheiden

Etwa eine Stunde vorm Ziel überfällt uns mal wieder der Hunger. Wo sollen wir halten? Ah, da, eine Raststätte – zu viele Touristenbusse. Weiter geht die Fahrt. Ah, da, das sieht gut aus – geschlossen. Mist, weiter geht die Fahrt. Da kommt etwas, doch schon vorbei und keine Wendemöglichkeit. So verging die Zeit, meine Laune wurde schlechter und mein Bauch knurrte immer mehr. Am Ortseingangsschild von Kuala Terengganu angekommen beschließen wir dann doch im Hotel etwas zu essen.

Check In und das rettende Lunch

Nach dem Check-In und dem kurzem Blick ins Zimmer, geht´s zielstrebig in die Bar, um etwas zu essen. Nach zwei Cappuccino, einem Stück Kuchen und einem Chickenburger, waren wir glücklich.
Wir übernachten etwas außerhalb von Kuala Terengganu in einem Buisnesshotel – KH Hotel & Convention Center. Mit dem Auto ist das aber kein Problem, etwa 20 Minuten brauchen wir bis in die Stadtmitte. Ganz in der Nähe findest du einen Supermarkt, eine Motocrossstrecke und den Flughafen.
Das Hotel ist sehr modern gehalten und hat kaum Europäischen Gäste. Somit war ich als Frau die Attraktion im Frühstückssaal. Da es dort saukalt war, hatte ich immer eine Weste dabei und habe trotzdem alle Blicke auf mich gezogen, etwas unangenehm. Umso besser war das Essen selbst. Es wurden sehr leckere indische Currys frisch zubereitet. Obst und verschiedenes Gebäck, wie z.b. Croissants oder Muffins gab es jeden Tag. Das erste Mal fiel mir die selbstgemachte und köstliche Kokosmarmelade – namens Kaya – auf. Normal für Malaien, aber ich hatte das vorher noch nicht probiert. Daumen hoch!
Den Pool haben wir nicht genutzt und das Fitnessstudio war für meine Zwecke absolut ausreichend. Zwei Laufbänder, Fahrrad, Gewichte und ein Multifunktionsgerät sind vorhanden, aber nicht die Neuesten.

 Touristen sucht man vergebens

Die Ostküste ist deutlich stärker muslimisch geprägt, als der Rest des Landes. Aus Respekt und um nicht ganz so stark aufzufallen, sollte man Hotpants und Tops weitestgehend vermeiden. Bereits im Laufe der Reise ist mir aufgefallen, dass sehr wenige “nicht-asiatische Touristen” unterwegs sind. In Kuala Terengganu ist das Bild noch krasser. Jeden Europäer den wir gesehen haben, haben wir fast mit einer Laola-Welle empfangen, so selten ist das passiert. Viele nutzen diese Stadt nur als kurzem Zwischenstopp, um auf die benachbarten Insel zum Baden zu kommen. Backpacker lassen sich an die Jettys bringen und übernachten oft maximal eine Nacht. Viele kommen aus Kuala Lumpur oder Penang mit dem Flugzeug und betreten die Stadt erst gar nicht. Wir haben uns dazu entschlossen, das Ganze etwas langsamer anzugehen und blieben zwei Nächte.

Kristall Moschee

Es ist mittlerweile schon später Nachmittag und die Sonne ist kurz vorm Untergehen. Also bepacken wir uns mit unserem Fotokram und ziehen los in Richtung Fluss. Wir wollen die berühmte Kristall-Moschee fotografieren. Im Dunkeln soll sie wundervoll beleuchtet sein und mit einem Farbspiel imponieren.

Wenn du nicht fotografieren möchtest, reicht der Blick von der Brücke, die über den Fluss gebaut ist. Allen Anderen empfehle ich das gegenüberliegende Ufer. So habt ihr den Fluss als Vordergrund und könnt auch im Querformat fotografieren.
Als wir am Flussufer ankommen, finden wir viele im Fluss spielende Kinder vor. Nach kürzester Zeit sind wir mit unseren Kameras die Attraktion. Europäer mit einen Ding in der Hand, auf dem man auf der Rückseite Bilder sehen kann. Also gab es eine kleine Diashow. Wie auf Knopfdruck verschwindet ein Kind nach dem Anderen und aus allen Ecken schreit der Muezzin.
Das Spektakel kann beginnen…

Stadtrundgang mit allen Facetten

Heute Morgen fällt der Sonnenaufgang wegen Regen aus. Somit machen wir uns auf, um das Herz der Stadt zu erkunden. Trotz seiner etwa 300.000 Einwohner wirkt die Stadt, im Vergleich zu Kuantan oder Kota Bharu eher dörflich. Wir parken am Fluss und beginnen dort unseren Rundgang. Es herrscht reges Treiben, denn es ist Markt. Ein würziger Duft liegt in der Luft und zieht uns magisch in das Innere des Gebäudes. Es geht vorbei an vielen Gewürzen, Gemüse und Obst. Die Bereiche sind nach Art der Lebensmittel gegliedert: Süßigkeiten, Haushaltswaren, Fleisch und Fisch sind reichlich zu finden.
In der Jalan Bandar (Straße die am Meer entlang führt) wirst du fündig, wenn du an Kleidung nur das Nötigste dabei hast. T-Shirts, Sarongs, Tücher; eben alles was mit Stoff und Batik zu tun hat.

Alte chinesische Läden und bunt bemalte Wände

Wir biegen nach links ab, durch ein großes Tor was Chinatown erahnen lässt. Alte chinesisches Ladenhäuser wurden restauriert und bezaubern mit dem Anblick. Ich fühle mich in der Zeit zurückversetzt. Wunderschöne Holztüren mit verzierten Schlössern schreien danach fotografiert zu werden.


Meine Blicke fallen in die kleinen Seitenstraßen, die wunderschön bemalt wurden. Alte Schilder oder Liebesschlösser hängen an den Wänden.


Wenn du klassisch Chinesisch Essen gehen möchtest, solltest du in dieser Straße deine Augen offen halten. Zu Hause vermeide ich jeden Chinesen, aber hier kamen wir einfach nicht drumrum. So sind wir im Golden Dragon gelandet und wurden mehr als überrascht. Die Gerichte waren genial und nicht mit der in Deutschland verfügbaren Chinaküche vergleichbar.

 

Essen

  • Wenn wir gerade beim Essen sind, möchte ich dir noch ein paar Tips dazu geben. Am ersten Abend landeten wir in einem typisch, malaiischen Lokal in das sich höchstwahrscheinlich sehr wenige Touristen verirren. Die Speisekarte hing übergroß an der Wand und wir konnten nur erahnen was das alles war. Es brachte uns ein Grinsen übers Gesicht, denn hier wir waren goldrichtig. Mit Händen und Füßen haben wir uns mit der Bedienung verständigt und erhielten ein sehr ursprüngliches Essen.
  • In der Nähe des Jetty liegt ein Café namens Tappers. Für einen kurzen Mittagshappen gut geeignet. Allerdings empfand ich es nicht wiederholenswert in Form von Abendessen.
  • Viele kleine Seafood-Lokale findest du entlang des Meeres in der Jalan Sultan Tan Zainal Abidin. Bei schönen Ambiente am Strand lässt sich das klassische Nasi Dagang oder eines der leckersten Currys essen.
  • Pappa Rich nutzen wir, als wir mit der Fähre zurückkamen, um ein kurzes Frühstück zu uns zu nehmen. Sie haben die verschiedensten, leckeren Heißgetränke
  • Im Secret Recipe gibt es die leckersten Kuchen zur Abwechslung. Als absolute Naschkatzen konnten wir einfach nicht daran vorbeigehen
  • Leider, leider haben wir uns einfach nicht gemerkt wie der kleine Laden hieß. In der Straße direkt am Fluss/Jetty bzw. parallel dazu (Richtung China Town) gibt es einen Mini-Laden einer Chinesin, der kleine süße Häppchen anbietet, Gaumenschmaus. Wenn du weißt wie der Laden heißt, schreibe mir bitte eine Nachricht. Das wäre echt super lieb.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Etwas außerhalb liegt der Palast Istana Baderiah des Sultans. Umgeben vom eigenen Golfplatz kann er seinen Sport in ruhiger Atmosphäre betreiben. Unweit dessen liegt die große Landesmoschee Masjid Abidin.
  • Auf dem Bukit Puteri (Prinzessinen-Hügel) steht eine Festung. Hier hast du einen schönen Ausblick auf die Stadt und das Umland.
  • Bei längerem Aufenthalt kannst du einen Tagesausflug mit der Fähre auf die Insel Duyung Besar machen. Auf der Insel leben noch ein paar Bootsbauer, die sich über die Schulter schauen lassen. Mit einem Spaziergang um das 1,7km x 700m kleine Fleckchen wirst du einen Einblick in das Leben der Menschen dort bekommen.
chinesischer Tempel in China Town

Für uns geht die Reise mit der Fähre nun weiter auf die Insel Redang. Seit Jahren möchten wir dorthin und konnten es nie verwirklichen. Wir freuen uns auf Traumstände und blaues Wasser in einer einsamen Bucht. Etwas Entspannung nach den letzten aufregenden Tagen erwartet uns im The Taaras.



Warst du auch schon einmal in Kuala Terengganu? Wie hat dir die Stadt gefallen?


Bist du an Malaysia interessiert und hast meine letzten Beiträge verpasst? Dann schau mal hier:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert