Rinjani – Vulkantour des Lebens

Rinjani – Vulkantour des Lebens

Rinjani – ein Vulkan der Grenzen aufzeigt


Es ist Mai 2011. Ich bin in Lombok, eine kleine Nachbarinsel von Bali in Indonesien und es steht die Vulkantour meines Lebens bevor.

Nach ein paar Tagen auf Bali bin ich nun ganz froh etwas mehr Ruhe zu haben, denn diese riesen Hotelkomplexe sind mir einfach viel zu viel. Aktuell übernachte ich in einem kleinen Boutique-Hotel, was einfach traumhaft ist.

Diese Tour sollte mit Entspannung und vollem Tatendrang in Angriff genommen werden

Ich habe die Insel Lombok gewählt, weil mir von vorne herein klar war, dass die Besteigung des Vulkans Rinjani anstand. Die Tour kann von Deutschland aus gebucht werden, allerdings habe ich es bevorzugt mir vor Ort anzuschauen, welchen Anbieter ich wähle und wann ich Lust darauf habe. Schließlich besteht die Tour darin auf einen Vulkan zu wandern – besser ausgedrückt zu krackseln – oben zu übernachten und den nächsten Tag den Heimweg zu nehmen.

Barfuß im Sand

Es ging los…

Gesagt getan. Nach ein paar Tagen relaxen war nun der Trip gebucht. Am nächsten Morgen ging es sehr früh los, so gegen halb sechs. Nach Ankunft am Treffpunkt gab es erst einmal typisch indonesiches Frühstück zur Stärkung, schließlich hatten wir alle einen Tagesaufgabe zu erfüllen. Banana-Pancake mit Kaffee. Unsere Träger waren auch schon da und packten die Kochuntensilien, Zelte und Schlafsäcke für uns. Probehalber durften wir auch mal heben: 40kg sind nun wirklich kein Kinderspiel. Was die Guides da tragen, zusammengepfercht in Bambuskörbe, an einer langen Bambusstange zusammengebunden, ist eine sportliche Leistung! Und das in Flip Flops!

Gepäck unserer Träger
Raik beim Probeheben
Eingang zum Regenwald

Woher der Regenwald wohl seinen Namen hat?

Gestärkt und voller Tatendrang ging es von der geteerten Straße aus  leicht bergauf los. Keine 10 Minuten später stand bei den meisten bereits der Schweiß auf der Stirn. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Bereits um dieser Uhrzeit brannte die Sonne auf der Haut, aber auch das sollte sich ändern. Alle Anwesenden hofften wohl insgeheim, dass der schattenspendende Regenwald bald naht. Bereits nach einer halben Stunde im Regenwald machte dieser seinem Namen alle Ehre. Es regnete ununterbrochen und obwohl die direkte Sonneneinstrahlung weg war, kochten wir unter unseren Regencapes. Es war kein Unterschied zwischen einem regendurchweichten oder verschwitzten T-Shirt auszumachen.

Der Regen war Eines, der Weg das Andere. Stellt euch vor ihr geht im Wald wandern. Nun verlässt ihr die vorgefertigten Wege und geht querfeldein. So und nun nehmt ihr den steilsten Berg den ihr finden könnt. Na, eine Ahnung wie anstrengend es war? Neben dem Regen kam hinzu, dass der Weg Stufen (durch reinragende Wurzeln) hatte und diese so hoch waren, dass ich bei jedem Tritt fühlen musst, ob meine Hose schon gerissen war.

Es ging durch ein Grün aus den unterschiedlichsten Tropenpflanzen und –bäume, wunderschön. Hier und da ein Vögelchen, eine Spinne und Affen in der Ferne rufen.

Wie Essen einem wieder völlig zum Mensch werden lässt 

Gegen die Mittagszeit kamen wir an einem Treffpunkt an, der genutzt wird um Essen zuzubereiten. Unsere Guides und Träger bereiteten bereits gebratenen Reis mit Hühnchen für uns zu. Genial das Gefühl, kurz vorm Abtreten den lebenserhaltenden Saft zu uns zu nehmen. Das tolle an dieser Tour war wirklich, dass jeder sein Tempo gehen konnte und an diesen Treffpunkten die Mannschaft sich wieder gesammelt hat.

Nach einer Essens- und Verdauungspause ging es weiter, weiter bergauf. Weiter durch das farbenprächtige Grün der Landschaft. Man hatte das Gefühl davon verschluckt zu werden.

Die Beine brannten bereits von der Anstrengung und die ersten Blutegel hatten sich ihre Opfer gesucht.

Der rettende Schlafplatz

Gegen 5 Uhr nachmittags hatten wir unser Etappenziel zum Nächtigen erreicht. Auf einem  Plateau gab es Holzhütten, die keine Wände hatten und die Bodenkonstruktion einen Meter über dem Urwaldboden war. Robinson Crusoe-Feeling pur. Ein Teil der Teilnehmer durfte in Zelte im Holzunterstand einziehen, die anderen hatten die freie Natur zur Verfügung. Ich wusste nicht, wie sehr man sich auf trockene Kleidung und einen Schlafsack mit Isomatte freuen kann. Nach dem Abendessen und dem frühen dunkel werden, verzogen sich bei anhaltenden Regen alle Mitreisenden in ihr Zelt.

Nach einer kurzen Nacht, hartem Boden und Sägewerk im Nachbarzelt – gefühlte 5cm neben meinem Ohr – hatten wir unser Etappenziel vor Augen.

Die letzten Reserven sind angezapft

Es ist bereits halb fünf Uhr morgens und wir machen uns mit unserem Guide auf die letzten 600 Höhenmeter zum Kraterrand auf. Zum Sonnenaufgang wollten wir oben sein. Im leichten Halbschlaf und mit Stirnlampen bewaffnet ging es los. Bereits nach kurzer Zeit machte sich mein Kreislauf bemerkbar, es war super anstrengend. Der Weg wurde immer steiniger und das frühe Aufstehen und wandern ohne Frühstück gefiel meinem Körper so überhaupt nicht.  Leute, ich kann euch sagen. Mir fielen plötzlich Schimpfwörter ein, die ich in meinem ganzen Leben noch nicht ausgesprochen hatte.

Kurz vor dem Aufgeben und dem Heulkrampf nahe, leisteten meine Mitstreiter seelischen Beistand und haben es geschafft mich mit einer Bananstärkung weiter voran zu treiben.

Wir haben es geschafft

Und…. es hat sich gelohnt. Der Blick in den Kratersee war gigantisch. Es treffen sich gelb (schwefelhaltiges, warmes Wasser) und grünes (kaltes) Wasser in einem Becken. Es qualmte an manchen Stellen und es wurde mir mal wieder bewusst, wie viel Kraft in unserem Planeten steckt.

geschafft

Leider gab es nicht den erhofften spektakulären Sonnenaufgang, aber trotzdem hatten wir eine super Aussicht. Die vorgelagerten Gilli Inseln konnten wir von hier sehr gut erkennen.

Das Frühstück ruft

Nach einem magischen Aufenthalt am Rande des Kraters und dem folgenden Abstieg zu unserem Rastplatz, saßen wir dann glücklich an unserem mageren  Frühstück;  Bananapancake die Zweite;  und hatten einige tierischen Besucher. Auf dem Weg nach oben, begleiteten uns ständig im Wald lebende Wildhunde, die total zutraulich waren und uns ständig bewachten. An dem Morgen wussten wir auch wieso. Zu unserem Frühstück gesellten sich die im Wald lebenden Affen, die von unseren vierbeinigen Begleitern immer auf Abstand gehalten wurden. Sind sie nicht süß… ?

So, nun war es Zeit den kompletten Heimweg in Angriff zu nehmen.

Und schon wieder der Regenwald mit seinen Tücken

Obwohl uns das Wetter am Morgen (Oberhalb der Baumgrenze) zufrieden gestimmt hatte, fing es nun wieder an zu regnen. Die Beine waren auch nicht mehr so taufrisch. Übung hin oder her. Einen Vulkan zu besteigen hat nichts mit Übungswanderungen in unseren Mittelgebirgen zu tun, wo der höchste Berg 1500m bemisst. Wir wollten heim und das zügig. Ich hatte total unterrschätzt, dass ein bergab für die Knie so sehr belastend sein kann. Trotz Waldbodens waren da immer noch diese riesigen Stufen, voll mit Wasserpfützen und der gelegentliche Regen, der an den Nerven nagte. Auch andere Mitstreiter musste so manchen Abschnitt rückwärts gehen, um die Knie zu entlasten.

Nach wiederum vier Stunden Wanderung waren wir nun endlich an unserem Ausgangspunkt. Bis zu den Knien voller Schlamm, aber überglücklich diese Tour gemacht zu haben, traten wir nun die Heimfahrt zum Hotel und zu unserem wartenden Steak (nun musste Eiweiß her) an.

rettende Dusche mit Blick in den Nachthimmel

Überlebt

Dann waren da nur noch die 30 steilen Stufen zu unserer rettenden Dusche und unserem Zimmer zu bewältigen…

Mit Abstand zur Reise kann ich sagen, dass es ein wundervoller Trip war, der sehr zu empfehlen ist. Wahrscheinlich werde ich diesen nicht mehr tun, aber nur weil das Wissen was einem körperlich erwartet den inneren Schweinehund ganz groß werden lässt.

Es war ein Erlebnis an das ich gerne zurückdenke und gerne davon erzähle.

Ich verabschiede mich mit anhaltendem Muskelkater und rate euch:

Traut euch…



Was meinst du? Wohin soll mich mein nächster Trip führen? Schreibe ein Kommentar!

2 Replies to “Rinjani – Vulkantour des Lebens”

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